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Auch ich darf fühlen - wenn Elternsein und Selbstfürsorge zusammenfinden

16. Sept.
8 Min. Lesezeit

Es gibt Momente im Familienalltag, in denen alles gleichzeitig passiert.


Das Kind weint.

Das Essen steht auf dem Tisch und wird trotzdem nicht gegessen.

Jemand möchte etwas erzählen, während das andere Kind gerade seine Schuhe nicht findet.

Das Telefon klingelt. Die Wäsche wartet.

Und irgendwo dazwischen merkst du plötzlich:


Ich kann gerade nicht mehr.


Vielleicht bist du erschöpft. Vielleicht gereizt. Vielleicht traurig. Vielleicht einfach nur vollkommen überfordert.

Und dann kommt oft noch ein weiterer Gedanke:

Ich darf jetzt nicht so reagieren. ich müsste geduldiger sein. mein Kind kann doch nichts dafür. Ich sollte besser mit meinen Gefühlen umgehen könne.


Natürlich stimmt das: Kinder können nichts dafür, wenn wir als Erwachsene erschöpft sind. Unserer Gefühle sind nicht die Verantwortung unserer Kinder.

Aber daraus folgtznicht, dass unsere Gefühle keinen Platz haben.

Im Gegenteil


Auch die Gefühle von Eltern sind wichtig...

....weil Eltern genauso Menschen sind. Menschen mit Grenzen, Bedürfnissen, Erfahrungen, Ängsten, Hoffnungen und einem Nervensystem, was irgendwann müde wird.


Und vielleicht beginnt Achtsamkeit genau dort.

Nicht erst beim Kind - sondern bei mir.


Wenn der Blick ständig beim Kind ist

Als Eltern lernen wir schnell, aufmerksam zu sein.

Wir beobachten unser Kind.

Wir hören, wenn sich der Tonfall verändert.

Wir erkennen manchmal schon am Blick, dass etwas nicht stimmt.


Wir wissen, wann es müde wird, wenn es Hunger bekommt, wann es Nähe braucht und wann es lieber seine Ruhe möchte.


Wir fragen: "Was brauchst du?" - und das ist etwas sehr Wertvolles.

Doch wie oft stellen wir uns selbst die Frage?

Was brauche ich gerade?


Vielleicht ist genau das eine der Fragen, die im Alltag leicht verloren gehen?


Denn Elternschaft ist voller Verantwortung. Da gibt es Termine, Verpflichtungen, Haushalt, Arbeit, Organisation und die vielen kleinen Bedürfnisse, die jeden tag auf uns zukommen.


Und irgendwann kann es passieren, dass wir zwar sehr feinfühlig wahrnehmen, was unser Kind braucht, aber kaum noch spüren, was in uns selbst noch vorgeht.

Wir funktionieren.

Wir machen weiter.

Wir halten aus.

Bis unser Körper und unsere Gefühle irgendwann sehr deutlich sagen:


Jetzt ist es genug!


Gefühle verschwinden nicht automatisch, nur weil wir sie nicht haben wollen.

Manchmal glauben wir, Achtsamkeit bedeutet nur, ruhig zu bleiben.

Immer....

Nicht laut zu werden.

Nicht genervt zu sein.

Nicht ungeduldig zu werden.

Nicht die Kontrolle zu verlieren.


Doch Achtsamkeit bedeutet nicht, keine unangenehmen Gefühle mehr zu haben.


Achtsamkeit bedeutet, wahrzunehmen, was gerade da ist.

  • Auch die Wut.

  • Auch die Erschöpfung

  • Auch die Hilflosigkeit.

  • Auch die Traurigkeit.


Vielleicht sitzt du gerade neben deinem Kind und spürst, wie sich deine Schultern anspannen.

Dein Atem wird flacher. Dein Kiefer wird fest. In deinem Kopf tauchen Gedanken auf.


Ein achtsamer Moment könnte dann bedeuten, nicht sofort gegen die Gefühle anzukämpfen.

Sondern kurz innezuhalten.

"Ah, da ist gerade Wut. Da ist Erschöpfung. Da ist Überforderung."


Das Gefühl muss dadurch nicht verschwinden. Aber es bekommt einen Namen und manchmal verändert allein das schon etwas.


Zwischen Gefühl und Reaktion liegt ein kleiner Moment

Wir haben nicht immer Einfluss he Gefühle in uns auftauchen.

Aber wir können lernen, den Moment zwischen Gefühl und Handlung bewusster wahrzunehmen. Das ist nur ein winziger Moment.

Ein Atemzug.

Ein kurzes Innehalten.

Ein Schritt zurück.


Und vielleicht bemerkst du:

"Ich bin gerade so angespannt, dass ich gleich losschreien möchte."

Und statt automatisch zu reagieren, atmest du einmal tief ein.

Und vielleicht sagst du:

"Ich brauche gerade einen Moment."

Vielleicht gehst du kurz aus dem Raum, wenn es die Situation erlaubt. Oder du trinkst einen Schluck Wasser, legst eine Hand auf deinen Brustkorb und spürst für einen Augenblick deinen Atem.

Das bedeutet nicht, dass du danach sofortentspannt bist, aber es ist ein kleiner Zwischenraum, der dir Handlungsfreiheit schenkt.


Achtsamkeit bedeutet nicht, immer gelassen zu sein

Es gibt einen Gedanken, der Eltern zusätzlich unter Druck setzen kann:

"Wenn ich achtsam wäre, würde ich nicht so reagieren."


Doch damit wird Achtsamkeit schnell zu einem weiteren Anspruch.

Dann wird aus:

"Ich möchte mich selbst besser wahrnehmen."

plötzlich

"Ich muss immer ruhig und bewusst reagieren."


Und schon ist da wieder Perfektion. Dabei ist kein Mensch ständig präsent. kein Elternteil ist immer geduldig. Kein Mensch reagiert in jeder Situation so, wie er es sich im Nachhinein wünschen würde. Auch achtsame Menschen werden mal laut, sind genervt, verlieren die Geduld und sagen mal Dinge, die sie im Nachhinein bereuen.


Achtsamkeit zeigt sich deshalb nicht nur in dem Moment, in dem alles gut läuft. Sie kann sich auch danach zeigen.

In dem Moment, in dem wir merken: "Das war gerade nicht so, wie ich mit meinem Kind umgehen wollte."

Und vielleicht folgt dann kein Selbstvorwurf, sondern ein ehrliches:

"Es tut mir leid, ich war gerade sehr überfordert."


Wir dürfen Verantwortung übernehmen, ohne uns selbst abzuwerten

Eine verantwortungsvolle und achtsame Frage kann sein:

"Was ist gerade passiert?"


Vielleicht war der tag zu voll.

Vielleicht hast du wenig geschlafen.

Vielleicht hast du deine eigenen Grenzen schon seit Stunden übergangen.

Vielleicht gab es vorher bereits 10 kleine Situationen, die sich angesammelt haben.

Das erklärt eine Reaktion, aber es entschuldigt nicht automatisch jedes Verhalten. Und genau darin liegt eine Möglichkeit für Veränderung.


Der Körper weiß oft früher, dass es zu viel wird

Das achtsame Wahrnehmen kann im Körper beginnen.

  • Vielleicht bemerkst du, dass deine Muskeln angespannt sind

  • deine Hände unruhig werden

  • dein Herz schneller schlägt

  • du schneller sprichst

  • du kaum noch richtig atmest


Das können Hinweise sein: "Ich bin gerade an meiner Grenze."

Wenn wir diese Signale früher bemerken, könne wir vielleicht früher reagieren.


Vielleicht brauchst du eine Pause.

Vielleicht brauchst du Unterstützung.

Vielleicht einen Moment ohne Ansprache.

Vielleicht musst du etwas absagen.

Vielleicht muss der Haushalt heute einfach warten.


Achtsamkeit kann bedeuten, die Signale des eigenen Körpers nicht erst dann ernst zu nehmen, wenn er laut werden muss.


Auch Bedürfnisse dürfen sichtbar werden

Kinder lernen, ihre Bedürfnisse auszudrücken.

"ich bin müde."

"Ich habe Hunger."

"Ich möchte kuscheln."

"Ich will das nicht."

"Ich brauche dich."


Als Eltern begleiten wir sie dabei, diese Bedürfnisse wahrzunehmen.

Doch unsere eigenen Bedürfnisse erscheinen uns manchmal plötzlich weniger wichtig.

"Das kann ich später machen. Jetzt ist erst das Kind dran. Ich muss nur noch kurz durchhalten."


Natürlich gibt es Situationen, in denen die Bedürfnisse der Kinder Vorrang haben, aber wenn "später" immer weiter nach hinten verschoben wird, kann daraus chronische Erschöpfung entstehen.

Deshalb dürfen Eltern lernen, sich selbst auch immer wieder selbstfürsorglich zu behandeln.


Selbstfürsorge muss nicht immer groß sein

Selbstfürsorge wird manchmal mit Wellness, Auszeiten oder mit langen Ritualen verbunden. Doch im Familienalltag ist dafür nicht immer Raum.


  • Achtsame Selbstfürsorge kann viel kleiner sein.

Sie kann bedeuten, morgens für drei Atemzüge wirklich en eigenen Atem wahrzunehmen. Beim Zähneputzen kurz zu spüren, wie die Füße auf dem Boden stehen. Bei einer Tätigkeit nicht gleichzeitig die Nächste zu machen. Oder am Abend nicht nur darüber nachzudenken, was heute alles nicht funktioniert hat, sondern auch wahrzunehmen:

"Ich habe heute mein Bestes gegeben. Vielleicht war es nicht perfekt, aber es war mein heutiger Versuch, mit dem umzugehen, was da war."


Denn Kinder brauche keine perfekten Eltern:

  • sie brauchen Menschen, die mit ihnen in Beziehung bleiben

  • Menschen, die Fehler machen dürfen und Verantwortung übernehmen

  • Menschen, die Gefühle haben und lernen, mit ihnen umzugehen

  • Menschen, die Grenzen setzen können

  • Menschen, die sich entschuldigen können

  • Menschen, die nicht jeden Moment richtig machen müssen


Wenn Kinder lernen, dass Gefühle zum Leben gehören, müssen sie ihre eigenen Emotionen vielleicht weniger fürchten.

Sie dürfen traurig sein. Wütend sein. Enttäuscht sein. Fröhlich seine dürfen erleben, dass auch Erwachsene Gefühle haben. Nicht als Belastung, die Kinder tragen müssen, sondern als etwas Menschliches.


"Ich sehe dich - und ich sehe mich"

Wir versuchen zu verstehen: Was steckt hinter dem Verhalten des Kindes...

Vielleicht ist es müde.

Vielleicht braucht es Nähe.

Vielleicht war der tag zu viel.

Vielleicht kann es seine Emotin gerade noch nicht regulieren.


Diese Persepektive kann unglaublich hilfreich sein.

Doch wir dürfen diese liebevolle Neugier auch auf uns selbst richten und uns fragen:

Was steckt eigentlich hinter meiner Reaktion?

  • Bin ich gerade wirklich wütend?

  • Bin ich eigentlich erschöpft?

  • Bin ich enttäuscht?

  • Oder fühle ich mich gerade allein gelassen?

  • Bin ich genervt?

  • Oder habe ich seit Stunden keinen Moment für mich gehabt?


Manchmal liegt unter der Wut eine tiefe Müdigkeit.

Unter der Ungeduld ein unerfülltes Bedürfnis.

Unter der Härte, die Sehnsucht nach Unterstützung.


Sich selbst die Frage zu stellen, heißt nicht, jedes eigene Verhalten gutzuheißen. Es bedeutet, sich selbst besser zu verstehen.


Ein kleiner achtsamer Moment für zwischendurch

Wenn du das nächste Mal merkst, dass dich eine Situation stark berührt, musst du nicht sofort eine Lösung finden.


Vielleicht probierst du einfach diese vier Schritte:

  1. Anhalten

Wenn möglich unterbrich für einen Moment das automatische Handeln.

  1. Wahrnehmen

    Was fühle ich gerade? was passiert gerade in meinem Körper?

  2. Benennen

    "Ich bin gerade wütend."

    "Ich bin gerade erschöpft."

    "Ich fühle mich überfordert."

  3. Fragen

    "Was brauche ich jetzt, damit ich gut durch diesen Moment komme?"


Vielleicht kannst du gerade keine Pause machen. Aber vielleicht kannst du deinen nächsten Satz bewusster wählen, langsamer sprechen, um Hilfe bitten...

Vielleicht kannst du anerkennen: "Das ist gerade wirklich viel."

Und manchmal reicht das für diesen Moment.


Zwischen Selbstfürsorge und Fürsorge gibt es keinen Widerspruch

Für dein Kind da zu sein und für dich selbst da zu sein, ist kein Widerspruch.

Beides gehört zusammen. Denn Beziehung entsteht nicht nur dadurch, dass wir in uns unserem Kind zuwenden, sondern entsteht auch dadurch, dass wir in Kontakt mit uns selbst bleiben.

Mit unserem Körper.

Mit unseren Grenzen.

Mit unseren Gefühlen.

Mit unseren Bedürfnissen.


Vielleicht bedeutet achtsames Elternsein weniger: "Wie kann ich mein Kind immer richtig begleiten?"

sondern vielmehr:

"Wie kann ich inmitten all dessen immer wieder zu mir zurückfinden?"

Nicht perfekt.

Nicht jeden Tag.

Nicht in jeder Situation.

Aber immer wieder.

Ein Atemzug.

Ein kurzer Moment.

Eine ehrliche Wahrnehmung.

Ein liebevoller Blick auf sich selbst.


Und vielleicht darf dieser Satz heute bleiben

Du musst deine Gefühle nicht verstecken, um ein guter Elternteil zu sein.

Du musst auch nicht immer ruhig sein.

Du musst nicht immer wissen, was richtig ist.


Du darfst müde sein.

Du darfst Grenzen setzen.

Du darfst Unterstützung brauchen

Du darfst dich freuen.

Du darfst traurig sein.

Du darfst wütend sein.

Du darfst innehalten.

Und du darfst lernen, deine Gefühle wahrzunehmen, ohne sie deinem Kind aufzubürden.


Und vielleicht ist genau das eine Form von Achtsamkeit:

Nicht nur das Kind liebevoll anzusehen, sondern auch sich selbst.


Mit allem, was gerade da ist.

Denn auch du bist Teil dieser Familie.

Auch dein Erleben zählt.

Auch du darfst fühlen.



Und vielleicht beginnt genau hier deine Reise zurück zu dir

Wenn wir im Alltag immer wieder den Blick auf unsere Kinder, unsere Familie und die vielen Aufgaben richten, kann es leicht passieren, dass wir selbst dabei ein Stück aus dem Blick verlieren.

Unsere Gefühle.

Unsere Bedürfnisse.

Unsere Wünsche.

Und manchmal auch die Frage: Was tut eigentlich mir gut?


Doch Selbstfürsorge muss nicht bedeutet, alles stehen und liegen zu lassen. Sie braucht nicht jeden Tag eine Stunde Zeit und auch kein perfekt geplantes Morgenritual. Oft beginnt sie viel kleiner.

Mit einem bewussten Atemzug.

Mit einem Moment der Ruhe.

Mit der ehrlichen Frage: Wie geht es mir gerade?

Mit der Erlaubnis, die eigenen Bedürfnisse genauso ernst zu nehmen, wie die der Menschen, für die wir sorgen.

Vielleicht spürst du beim Lesen, dass du genau dafür mehr Raum wünscht.

Nicht nur für einen einzelnen Tag oder Wochenende, sondern als liebevolle Begleitung durch dein ganzes Jahr.


Genau dafür habe ich Die achtsame Jahresreise entwickelt. Das Online - Programm für Frauen, die sich selbst wieder bewusster wahrnehmen, achtsamer mit ihren eigenen Bedürfnissen umgehen und Selbstfürsorge zu einem natürlichen Teil ihres Alltags machen möchten. Die Jahresreise begleitet dich über 12 Monate mit achtsamen Impulsen und lädt dich immer wieder dazu ein, nach innen zu lauschen und dir selbst Raum zu geben.

Und das ganz flexibel und passend zu deinem Leben.


Du entscheidest, wann du dir Zeit für die Inhalte nimmst.

Du entscheidest, in welchem Tempo du durch die Jahresreise gehst.

Du entscheidest, wie tief du in die einzelnen Themen eintauchen möchtest.


Alles darf sein, denn dein Alltag ist individuell. Die achtsame Jahresreise soll sich dabei nicht wie eine weitere Aufgabe anfühlen. Sie darf vielmehr ein Ort sein, zu dem du immer wieder zurückkehren kannst.


Ein Moment nur für dich.

Eine kleine Unterbrechung im Alltag.

Eine Einladung, dich selbst nicht zu vergessen.


Denn vielleicht ist Selbstfürsorge am Ende gar nicht die Frage:

"Wie finde ich noch mehr Zeit für mich?" sondern:

"Wie kann ich mir selbst auch inmitten meines ganz normalen Lebens einen Platz geben?"


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